Ein Stammbaum ist schnell begonnen und selten fertig. Diese Anleitung beschreibt die Reihenfolge, in der es funktioniert: erst die Menschen, die ihr fragen könnt, dann die Papiere, dann die Archive. Wer umgekehrt anfängt, sitzt Wochen im Standesamt und weiß immer noch nicht, wie die Urgroßmutter genannt wurde.
Ein Eintrag pro Person, und pro Person immer dieselben Felder. Das klingt banal, entscheidet aber darüber, ob der Baum in fünf Jahren noch benutzbar ist.
Ein Stammbaum enthält personenbezogene Daten von Menschen, die leben, und die haben dazu etwas zu sagen. Für den rein privaten Gebrauch in der eigenen Familie greift die Datenschutz-Grundverordnung zwar nicht (Artikel 2 Absatz 2 Buchstabe c), aber diese Ausnahme endet, sobald der Baum veröffentlicht oder mit einem größeren Kreis geteilt wird.
Praktisch heißt das: Angaben zu Lebenden nur mit deren Einverständnis weitergeben, und Angaben, die jemand ausdrücklich nicht im Baum haben will, weglassen. Uneheliche Kinder, Adoptionen, Krankheiten und Trennungen sind die Punkte, an denen aus einem Hobby ein Familienstreit wird. Fragt vorher.
Der Unterschied zwischen einem Stammbaum, den nur der Ersteller ansieht, und einem, den die Familie benutzt, sind die Anhänge an den Personen. Ein Foto, eine Anekdote, eine Sprachaufnahme von zwei Minuten: sobald an einem Namen etwas hängt, das man ansehen oder anhören kann, wird der Baum zu etwas, das man aufmacht, ohne einen Anlass zu brauchen.
Genau dafür ist FAM gebaut: der Stammbaum ist dort nicht die Datenbank, sondern der Ort, an dem die Erinnerungen hängen.
Bei sich selbst und dann rückwärts, und zwar zuerst mit dem, was die ältesten Lebenden noch erzählen können. Archive laufen nicht weg, Menschen schon. Erst danach lohnen sich Urkunden, Kirchenbücher und Standesämter, und dann gezielt für die Lücken, die im Baum schon sichtbar sind.
In Deutschland führen die Standesämter Personenstandsregister seit 1876. Davor sind Kirchenbücher die Hauptquelle, die je nach Gemeinde bis ins 16. oder 17. Jahrhundert zurückreichen, sofern sie Kriege und Brände überstanden haben. Sieben bis zehn Generationen sind für die meisten Familien erreichbar.
Nicht ohne deren Einverständnis. Solange der Baum rein privat in der Familie bleibt, gilt die Haushaltsausnahme der Datenschutz-Grundverordnung. Sobald er veröffentlicht oder in einem größeren Kreis geteilt wird, braucht es für Angaben zu Lebenden eine Einwilligung.
Ein herstellerübergreifendes Dateiformat für Stammbaumdaten. Es ist der Weg, Daten von einem Programm in ein anderes zu bringen. Wer ein Werkzeug wählt, sollte vorher prüfen, ob es GEDCOM exportieren kann, sonst hängt die eigene Arbeit an einem Anbieter.
FAM ist die App, aus der dieser Ratgeber entstanden ist: ein Spiel, das die Fragen stellt, und ein Archiv, das die Antworten behält. Ihr zieht reihum Karten und antwortet mit einem Foto, einem Video oder eurer Stimme; jede Antwort bleibt am Profil des Familienmitglieds im gemeinsamen Stammbaum hängen.
FAM ansehenFünfzig Fragen, die aus einem Besuch ein Gespräch machen: nach Kindheit, Jugend, Arbeit und Wendepunkten, sortiert nach Lebensabschnitten.
Fotos, Videos und Tonaufnahmen so ablegen, dass sie in zwanzig Jahren noch lesbar sind: Formate, Ordnerstruktur, Sicherungen und der wichtigste Teil, der Kontext.