Die meisten Familien verlieren ihre Erinnerungen nicht durch einen Brand, sondern durch einen Handywechsel, ein abgelaufenes Abonnement und ein Passwort, das niemand mehr kennt. Das Gute daran: gegen diese drei Ursachen kann man etwas tun, und zwar an einem Nachmittag.
Eine Struktur ist gut, wenn ein Familienmitglied ohne Erklärung etwas darin findet. Das schließt kluge Systeme aus und lässt genau eines übrig: nach Jahr, darin nach Anlass.
Ein Format hält, wenn es offen dokumentiert und weit verbreitet ist. Alles andere ist eine Wette auf einen Hersteller.
Sie ist alt, sie ist unelegant, und sie ist der einzige Ratschlag zu Sicherungen, der sich bewährt hat: drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Arten von Speicher, davon eine an einem anderen Ort.
Praktisch für eine Familie heißt das etwa: die Sammlung auf dem Rechner, eine externe Festplatte im Schrank, und eine Kopie in einem Speicher außer Haus. Wichtig ist der dritte Punkt: eine Festplatte, die neben dem Rechner liegt, teilt mit ihm den Wohnungsbrand und den Einbruch.
Und die Regel, die alle vergessen: eine Sicherung, die nie zurückgespielt wurde, ist keine Sicherung, sondern eine Hoffnung. Holt einmal im Jahr eine beliebige Datei zurück und seht nach, ob sie sich öffnen lässt.
Der häufigste Grund, warum ein Familienarchiv verschwindet, ist kein technischer: es liegt in einem Konto, dessen Passwort nur eine Person kannte. Schreibt auf, wo die Sammlung liegt und wie man hineinkommt, und legt das dorthin, wo die wichtigen Papiere der Familie liegen. Mindestens zwei Menschen sollten es wissen.
Zehntausend gesicherte Fotos ohne Angaben sind Datenmüll mit emotionalem Wert. Hundert Fotos, bei denen jemand gesagt hat, wer darauf ist und warum sie gemacht wurden, sind ein Familienarchiv.
Deshalb ist der lohnendste Nachmittag nicht der, an dem ihr sortiert, sondern der, an dem ihr euch mit den ältesten Familienmitgliedern und einem Stapel Fotos hinsetzt und die Aufnahme mitlaufen lasst. Alles andere lässt sich nachholen. Dieser Nachmittag nicht.
JPEG für gewöhnliche Aufnahmen, PNG oder TIFF für Scans, die weiterbearbeitet werden. Entscheidend ist weniger das Format als dass es offen und verbreitet ist. HEIC-Aufnahmen vom iPhone sollten beim Archivieren nach JPEG gewandelt werden, damit sie sich auch außerhalb von Apple-Geräten öffnen lassen.
Drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Speichermedien, davon eine an einem anderen Ort. Sie schützt gegen die drei häufigsten Ursachen zugleich: Defekt eines Datenträgers, versehentliches Löschen und den Verlust der ganzen Wohnung.
Als alleinige Sicherung nicht. Ein Cloud-Speicher, der mit dem Gerät synchronisiert, gibt ein versehentliches Löschen weiter, und er hängt an einem Konto und einem laufenden Abonnement. Als eine von drei Kopien ist er sehr geeignet.
Als Archiv sollte man mit fünf Jahren rechnen, nicht mit zwanzig. Festplatten fallen mechanisch aus, SSDs und Speicherkarten verlieren ohne Strom über Jahre ihre Ladung. Deshalb ist der Plan nicht, ein haltbares Medium zu finden, sondern die Daten regelmäßig auf neue Träger umzukopieren.
FAM ist die App, aus der dieser Ratgeber entstanden ist: ein Spiel, das die Fragen stellt, und ein Archiv, das die Antworten behält. Ihr zieht reihum Karten und antwortet mit einem Foto, einem Video oder eurer Stimme; jede Antwort bleibt am Profil des Familienmitglieds im gemeinsamen Stammbaum hängen.
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